Pressemitteilung: Polizeieinsatz in schiitische Moscheen und Zentren im Monat Ramadan


Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

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Wallpaper Polizeieinsatz in Moscheen

02.05.2020, Berlin – Der Monat Ramadan bedeutet für die Muslime in aller Welt eine Zeit des Friedens, der inneren Einkehr, der gegenseitigen Fürsorge, des Miteinanders und des Gesprächs mit Gott. Seit Jahren haben die Muslime und ihre Gemeinden insbesondere in dieser Zeit auch intensive freundschaftliche Begegnungen mit anderen Religionsgemeinschaften und Vertretern der Politik und zivilen Gesellschaft, die zum besseren gegenseitigen Verständnis und vielen Freundschaften auf unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft beigetragen haben. Gerade in diesem Jahr wurde diese Gesellschaft übergreifende freundschaftliche Verbundenheit in der gemeinsam praktizierten Verantwortung in der Corona-Krise deutlich, sowohl in den Gesprächen mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), in denen auch den Moscheen für ihre Bereitschaft zu den freiwilligen vorsorglichen Sicherheitsmaßnahmen gedankt wurde, als auch in der besonderen religiösen Gastfreundschaft, die seitens der Bischöfe der Evangelischen Landeskirche (EKBO) und des Erzbistums Berlin verdeutlicht wird: Sie laden kleinere Religionsgemeinschaften ein, die nicht über die räumlichen Möglichkeiten verfügen, unter Einhaltung der strikten Hygiene- und Abstandsregeln Gottesdienste feiern zu können, Räume der Kirche zu nutzen.

In dieser Zeit der Freundschaft und des Zusammenhalts und insbesondere für die Muslime der Zeit des sich Bemühens auf dem Wege Gottes und der Realisierung der Nächstenliebe müssen wir mit Bestürzung und Trauer feststellen, dass zur sogenannten Durchsetzung des Verbotes der Hisbollah durch den Innenminister Herrn Seehofer, besonders martialische und öffentlichkeitswirksame Mittel eingesetzt wurden, insbesondere in Berlin dringen Polizeikräfte mit kugelsicheren Westen, Sturmhauben und Maschinengewehren bewaffnet mit unverhältnismäßiger Brutalität und Missachtung jeglicher religiöser Rücksichtnahme zu früher Morgenstunde in geschlossene Moscheen ein, Familien mit Frauen und Kindern werden ohne Beachtung der im Islam besonderen privaten Sphäre aus dem Schlaf gerissen und verschreckt und in den Moscheeräumen auf den Boden geworfene Korane, Unordnung und verdreckte Böden hinterlassen. Und weshalb? Ein Polizeisprecher in Berlin sagte dazu (Original aus einer Videoaufnahme): „Bei den Durchsuchungen heute hier im Berlin-Neukölln geht`s darum, einen Zusammenhang zwischen den durchsuchten Objekten und der verbotenen Vereinigung Hisbollah festzustellen“.

Die Moscheen sind sakrale Räume mit einer Aura der Ruhe, der Spiritualität und dem Zwiegespräch zwischen Gott und Mensch, so wie es auch die Gotteshäuser anderer Religionsgemeinschaften sind.

Es ist in keiner Weise und für keine Religionsgemeinschaft akzeptabel, dass diese Ruhe und Spiritualität auf diese Art und Weise wie am 30.04.2020 geschehen, gestört wird.
Wir fordern die Verantwortlichen auf, bei jeglichem Einsatz der Polizeikräfte darauf zu achten, dass diese Aura der sakralen Räume der Religionsgemeinschaften nicht verletzt wird. Die Erfahrungen zeigen, dass dies auch realisierbar ist.
Dieser offensichtliche Aktionismus auf Kosten der Muslime wird vielleicht kurzfristig für einige aus der Politik, der Medienwelt und Kreisen der selbsternannten Islamexperten vordergründig Erfolg versprechen, wir als schiitische Muslime werden aber weiterhin für unsere Ideale in Verantwortung vor Gott und den Menschen eintreten. Das Leben eines jeden Menschen und die von Gott gegebene Menschenwürde zu pflegen und zu bewahren zählt zu den höchsten Werten, um die wir uns in Frieden und Gerechtigkeit, mit Ausdauer und stetem Gedenken an Gott bemühen werden.

Als Dachverband der schiitischen Muslime in Deutschland werden wir alle rechtlichen Möglichkeiten in Betracht ziehen und unsere Mitglieder die notwendige Unterstützung gewähren.

Wir wünschen allen eine friedvolle Zeit bei bester Gesundheit, und für unsere muslimischen Geschwister weiterhin viel Erfolg bei ihren religiösen Aktivitäten und einen gesegneten Ramadan.

Der Vorstand
Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS)

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